Omas_Kochbuch

Es gibt nicht viele Dinge, die mich so an meine Oma erinnern wie Essen: Wenn ich von der Schule kam, buk Oma einen Eierkuchen mit Rosinen (so hatte ich das in einem Buch gelesen und wollte das auch). Manchmal gab es Puddingsuppe mit Eischnee; mal Milchreis mit eingeweckten Pflaumen. Im Sommer freute ich mich auf Gurkensalat oder Griessflammeri mit Kirschsuppe; im Winter stand der Kochtopf mit den Kartoffeln unter der Bettdecke warm, und Oma briet Buletten. Oder die Hühnerbrühe mit Griesklösschen stand auf dem Herd oder es gab Speckkartoffeln, selten auch Milchsuppe. Ich wurde von Oma mit viel Matsch und Kleister gefüttert, denn während meine Mutter sich beim Gedanken an Milchreis oder Haferflockensuppe schüttelte, schaufelten Oma, Opa und ich alles Schleimige, Weiche und Flüssige genüsslich in uns hinein. Und alles war perfekt gekocht. Mit genau dem richtigen Grad an Schleimigkeit und ohne dass ich sie je dabei beobachten konnte, wie sie ihre Nase in ein Kochbuch gesteckt hat.
So wie sie hab ich das nie hinbekommen. Bis mir meine Mutter nach dem Tod meiner Oma eins ihrer zwei Kochbücher schenkte (das andere war selbst geschrieben): «Das elektrische Kochen. 750 Rezepte für die Elektro-Küche», erschienen 1939 als Werbesonderdruck der Elektrizitätswerke. Darin heisst es:

«Was vor Jahren noch als unerreichbarer Traum erschien, ist heute Wirklichkeit geworden: Die elektrische Küche. […] Möge dieses Büchlein den elektrisch kochenden Hausfrauen jederzeit ein guter Ratgeber sein und sie in die Lage versetzen, in den vollen Genuss der Vorzüge des elektrischen Kochens zu kommen.»

Und in den Genuss von Rezepten, deren Ergebnis dem Essen meiner Oma am nächsten kommt.

Ein Beispiel:

Griessflammeri.jpg

Griessflammeri
1 l Milch
50 g Zucker
1 Stück Zitronenschale oder Vanille
1 Prise Salz
1 Teelöffel Butter
10 g geriebene Mandeln
110 g grober Griess
1 Eigelb
1 Eischnee

Die Milch mit allen Gewürzen zum Kochen bringen, den Griess hineinstreuen, ausschalten und ohne Strom ausquellen. Das Eigelb verquirlen, unter Rühren dem Brei zusetzen, das Weisse zu Schnee schlagen und ihn unterheben. In eine ausgespülte Form geben und nach dem Erkalten stürzen und mit Kompott, einer Frucht- oder anderen Tunke zu Tisch bringen.

Weitere Rezepte folgen.

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